Photo by Vedran Metelko / Zadar Region Tourist Board

Räder der Geschichte

Wer gerne Rad fährt, weiß sehr gut, wieviel Spaß diese körperliche Betätigung macht und wie gesund sie ist. Während wir in die Pedale treten, lassen wir alles Bekannte hinter uns und stürzen uns auf das Unbekannte, lassen Kilometer für Kilometer hinter uns zurück und genießen dabei die frische Luft und die Orte, an denen wir sonst nicht vorbeikommen würden. Manchmal führen uns die Radwege in eine unerwartete Richtung, beispielsweise in die Geschichte. Dann erfahren wir nebenbei vieles über Geschichte und Archäologie, über Menschen, die diesen Raum in längst vergangenen Zeiten bevölkerten, aber auch über uns selbst.

Alle Wege führen auf die Insel Veliki Brijun

Die Legende besagt, dass die Brijuni-Inseln aus Reststücken des Paradieses entstanden sind. Wer einmal seinen Fuß auf diese herrliche Inselgruppe setzt und sich umschaut, dem wird sofort klar, wie die Legende entstanden sein muss. Es besteht auch eine zweite Legende, die unter Radfahrern weitererzählt wird, die auf die Insel Veliki Brijun kommen, um die dortigen Routen zu befahren. Die Route ist leicht zu bewältigen und eignet sich gut für Familien mit Kindern; darüber hinaus können mehrere äußerst attraktive archäologische Fundstätten besichtigt werden: die Basilika der frühchristlichen Marienkirche, das byzantinische Kastrum, Reste des Venustempels und eine Villa Rustika aus dem 1. Jahrhundert. Das archäologische Abenteuer auf zwei Rädern endet mit Badespaß an einem wunderschönen Strand in der Saluga-Bucht.

Das neue Zuhause des Apxyomenos auf Lošinj

Wenn Sie Ihre archäologische Radtour mit etwas mehr Adrenalin anreichern wollen, dann ist es Zeit für einen Besuch Lošinjs. Auf dieser bewaldeten und heilsamen Insel mit 2600 Sonnenstunden im Jahr erwarten Sie ein mildes Klima und schöne naturbelassene Landschaften, durch die verschiedene Radwege kreuz und quer verlaufen, darunter auch jener, der als Veranstaltungsort für den MTB Downhill World Cup dient. Doch genug davon. Es ist Zeit für den archäologischen Teil der Tour. Die steht natürlich im Zusammenhang mit der Bronzestatue des Apoxyomenos, des bekanntesten griechischen Athleten, dessen perfekte Proportionen Sie im Lošinjer Museum bewundern können, was dem zufälligen Tauchgang eines Touristen zu verdanken ist. Drehen Sie eine Runde über die Insel der Vitalität, genießen Sie die Ausblicke, erkunden Sie, doch vergessen Sie den Museumsbesuch nicht – schließlich ist das eine archäologische Mission.

Auf dem Drahtesel durch die geschichtsträchtige Lika

Auch wenn die Region Lika für (attr)aktiven Urlaub während aller vier Jahreszeiten geschaffen ist, bringt der Sommer für Urlauber auf zwei Rädern doch die angenehmsten Bedingungen für einen Aufenthalt in diesen grünen Weiten mit. Die im Tal des Gacka-Flusses liegenden Städtchen Gospić oder Otočac bilden einen guten Ausgangspunkt für Ihre archäologischen Erkundungsfahrten auf zwei Rädern. Wenn es nach uns ginge, würden wir zunächst einen Besuch des Lika-Museums in Gospić vorschlagen, damit Sie dort alles über den Illyrischen Stamm der Japoden erfahren und dann die Höhlen von Cerovac und den Ort Donje Pazarište besuchen, wo Reste ihrer Kultur gefunden wurden. Der „Weg der Giganten 2“ führt Sie durch die Geburtsorte zweier  kroatischer Zentralfiguren, Nikola Tesla und Ante Starčević.

Wenn Sie von Otočac aus starten, steht Ihnen ein ebenso gutes Erlebnis bevor wie auf den Wegen um Gospić. Die Fahrt führt durch das Tal des Gacka-Flusses, zu archäologischen Fundstätten und zu den Mühlen an der Quelle der Gacka. Genießen Sie die Naturschönheiten eines der kältesten und saubersten Flüsse Kroatiens.

Von der Antike bis zum Mittelalter

Auf den ersten Blick mag dies wie eine gewöhnliche Radfahrt in der Freizeit wirken, doch nach der ersten Kurve merken Sie, dass Sie in einem archäologischen Paradies für Radsportler gelandet sind. Eine der interessanten Routen beginnt im liburnisch-antiken Hafen Drage bei Pakoštane. In der Ortschaft Vrana steht die Maškovića Han, eine Karawanserei aus dem 17. Jahrhundert. Es folgt die einst von den Tempelrittern verwaltete mittelalterliche Burg Vrana, und zum Schluss eine archäologische Fundstätte mit Resten der liburnisch-antiken Stadt Asseria, dem einst bekannten Steinmetzzentrum. Spannend, nicht wahr?

Die königliche Route von Zadar bis Nin

Die Fahrt auf dem Rundweg zwischen zwei Königsstädten, Zadar und Nin, könnte ein besonderes Erlebnis sein. Diese dynamische und etwas anspruchsvollere Route ist für MTB-Räder vorgesehen. Archäologiefreunde sollten in Zadar unbedingt das Archäologische Museum und das Museum für antikes Glas besuchen.

Nach der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Zadar warten bereits neue Attraktionen auf Sie, nämlich die auf zwei Rädern.  Bei der Fahrt durch Felder und Olivenhaine eröffnen sich Ausblicke auf Nin, Solana und das Velebit-Gebirge – mehr als genug Lohn für die etwas größeren Anstrengungen.

 

Mit dem Rad auf dem Pfad der Geschichte

Begriffe wie Archäologie oder Geschichte klingen in Ihren Ohren immer etwas anders. Diesmal könnten sie eine Radtour der Spitzenklasse einläuten. Der Pfad, auf dem Sie unterwegs sein werden, heißt nämlich „Pfad der Geschichte“. Der Startpunkt liegt bei Skradin, der einst antiken Siedlung Scardona, wo es so Einiges zu sehen und entdecken gibt – von den Resten eines römischen Aquädukts bis zu den vielen steinernen Denkmälern. Am unteren Flusslauf der Krka stehen auf der Insel Stipanac die Gavran-Herrenhäuser. Es folgt die Sonković-Festung mit der Markuskirche. Füllen Sie Ihre Feldflasche an der bereits zur Römerzeit erwähnten unversiegbaren Quelle auf, und fahren Sie weiter bis nach Pećane und Vrbica, wo sich ein Friedhof aus der Altsteinzeit und eine Siedlung aus der Jungsteinzeit befinden. Sehen Sie sich zum Schluss noch Bribirska Glavica an, den bedeutendsten kroatischen archäologischen Fundort.

Wenn Sie noch nicht genug haben, lassen Sie Ihr Rad an einem sicheren Ort zurück und legen Sie los zu einem Fußmarsch im Nationalpark Krka

Starogradsko polje – der älteste Radweg, auf dem Sie fahren werden

Die Farben, Geschmäcker und Aromen, meistens des Lavendels, machen den Tag, den Sie während der Weinlese mit einer Radfahrt durch das große Starogradsko polje (Altstädter Feld) verbringen, zu einem wahrhaft unvergesslichen Erlebnis. Sie fragen sich sicherlich, was das mit Archäologie und Geschichte zu tun haben soll? Ja, sehen Sie, der Pfad, auf dem Sie fahren, ist 24 Jahrhunderte alt und wohl der älteste Pfad, auf dem Sie bisher die Pedalen getreten haben. Das Starogradsko polje ist übrigens auch das größte fruchtbare Flachland auf den Adriainseln, mit besonderer Betonung des Wortes, das Radfahrer aufhorchen lässt: Flachland.  Das Feld steht unter UNESCO-Schutz, weil es von einem unbekannten griechischen Landvermesser parzelliert und vermessen wurde, damit der Boden gerecht unter den Zuwanderern von der griechischen Insel Paros aufgeteilt werden konnte.

Auf den Routen der alten Römer

Nach Split zu kommen und das Archäologische Museum, das im fernen Jahr 1820 gegründet wurde und deshalb als ältestes Museum Kroatiens gilt, nicht zu besuchen – das wäre eine große versäumte Gelegenheit. Das wäre, als ob man eine Radtour unternimmt, aber den Sattel und den Lenker zu Hause lässt. Die Region Dalmatien ist reich an Kulturgütern aus verschiedenen geschichtlichen Epochen, vor allem aus der Zeit der Antike.

Die erhaltenen Reste römischer Straßen sind ein Magnet für Radfahrer, die diese Routen der römischen Straßen befahren und dabei auf verschiedene Sehenswürdigkeiten stoßen können, wie etwa auf die Reste frühchristlicher Nekropolen, römische Lager, Sakralbauten und zahlreiche Befestigungsanlagen. Konditionsstarke Fans der Fernsehserie „Game of Thrones“, können eine Klettertour zur Festung Klis machen und sich die Stellen ansehen, wo Szenen für diese beliebte Serie gedreht wurden.

Auf vergessenen Straßen zu Denkmälern und mittelalterlichen Grabsteinen

Obwohl sich die Radrouten an den oberen Dubrovniker Dörfern wegen des hügeligen Geländes und der steilen Anstiege nicht so sehr zur Radfahrt eignen, können diese Straßen dennoch eine nette Alternative zu den Verkehrswegen am Küstenstreifen sein. Authentische Dörfer, erhaltene Natur, ein herrlicher Blick auf die Elaphiten – das sind nur einige der Gründe, die dafür sprechen, dass Sie eine abenteuerliche Radtour auf diesen vergessenen Straßen unternehmen.

Ihr unersättlicher Hunger nach Archäologischem wird durch die Besichtigung der kleinen Kirchen und Friedhöfe gestillt, die mit mittelalterlichen Grabsteinen (stećci) und Grabdenkmälern locken; dazu gibt es noch die themenbezogene Radtour „Grabsteine des Dubrovniker Küstenstreifens“, die von Slano aus zu den sechs bemerkenswertesten Lokalitäten führt.

Mit dem Rad bis nach Narona

Tempel wurden 17 lebensgroße und überlebensgroße Marmorstatuen von Kaisern und Familienangehörigen des Kaisers gefunden. In Metković wurde an alles gedacht, und wenn Sie zufällig kein Rad dabei haben, können Sie dort eines mieten. Falls Sie ein Rad haben, dann ist alles klar: Starten Sie die Tour langsam und genussvoll durch das Flusstal der Neretva, am Blauen See entlang bis zum antiken Narona. Etwas weiter von Vid entfernt ist der Ort Gabela gelegen, wo sich nach Meinung eines mexikanischen Touristen das berühmte Troja befand.

Auf dem Rad an dem Sava-Fluss entlang bis nach Andautonia

Ganz gleich, aus welchem Zagreber Stadtteil Sie kommen: wichtig ist für diese Radstrecke nur, dass Sie von der Krone des nördlichen Save-Damms aus starten. Beherzt und entschlossen radeln Sie weiter, an den Stromschnellen der Save und elf Seen entlang bis zur Heimatbrücke „Domovinski Most“, die sie überqueren und dann nach Šćitarjevo und zur Archäologischen Park Andautonia gelangen, der auf der Römerstraßenstrecke Siscia –Petuvio (Sisak – Ptuj) erbauten Römersiedlung und Municipium. Nach diesem archäologischen Leckerbissen können Sie zur Rückfahrt auf dem gleichen Weg antreten oder eine der alternativen Routen wählen, die neue Überraschungen und Herausforderungen bietet. Falsch machen können Sie dabei nichts. Der Norden liegt in Richtung des Medvednica-Gebirges.

Erkundung des Žumberak und des Fürstenpfades

Wer genügend Kondition hat, unternimmt wie üblich alles auf dem Rad, während all jene, denen die Steigungen doch etwas zu steil sind, für diese Gelegenheit ein Elektrofahrrad mieten, das wie ein gewöhnliches Mountainbike gefahren wird, nur mit dem einen Unterschied – es hat einen Elektroantrieb, der den Fahrer beim Treten unterstützt, wenn es bergauf geht. Das Bergland von Žumberak ist in der Tat einzigartig – erhaltene, authentische Dörfer auf großen Höhen über dem Meeresspiegel, mit unvergesslichen Ausblicken bis zum Kupa-Fluss im Süden, mit Karstfeldern und einem reichen Kulturerbe. Im Archäologiepark Budinjak, den man über den als „Fürstenpfad“ bezeichneten Lehrpfad erreicht, wurde der Schüsselhelm eines Fürsten gefunden, das einzige vollständig erhaltene Exemplar eines Helms der zentraleuropäischen Hallstattkultur der Libna-Gruppe.

Mit Boot und Rad durch den Raum von Vukovar

Durch Vukovar verläuft die Donauradroute EuroVelo 6, und so kommt es, dass neben dem Flussverkehr der Radtourismus jedes Jahr zunimmt, und damit auch die Zahl der Übernachtungen steigt.

In dieser barocken Schönheit Ostkroatiens lohnen sich ein Besuch des Stadtmuseums im Schloss Eltz sowie eine Besichtigung der archäologischen Lokalitäten der Vučedol-Kultur im gleichnamigen Museum, das buchstäblich in einen Berg eingegraben ist. Seine Besonderheit liegt gerade darin, dass es sich genau am Fundort archäologischer Reste befindet. Es handelt sich dabei um eine äußerst fortschrittliche Kultur der frühen Kupferzeit, die nach der Fundstätte benannt wurde. Auf dem Weg nach Vučedol können Sie alles sehen, was diesen Raum so besonders macht: von natürlichen bis zu geschichtlichen Sehenswürdigkeiten. Parken Sie Ihr Rad auf der Rückfahrt, steigen Sie in ein Boot und erleben Sie die Stadt von der Donau aus betrachtet.

Sobald Sie alle Routen befahren haben, wartet bereits eine Fortsetzung auf Sie, denn schließlich sind Sie Indiana Jones auf dem Rad. Es gibt keine Verschnaufpause – nach dem ersten archäologisches Abenteuer folgt das zweite, und nach dem zweiten… Sie wissen ja schon, wie das geht, nicht wahr?