Photo by NENAD REBERŠAK

Der Ort, wo das Geld nach Tieren und Bäumen benannt ist

Kroatien hat ein ganz besonderes Verhältnis zur Natur: National- und Naturparks machen 10 % seines Territoriums aus, für die kroatische Währungseinheit war der Marder (Kuna) namensgebend, und die Münzen von geringerem Wert wurden nach dem Lindenbaum (Lipa) benannt, dessen Blüten auf ihnen abgebildet sind.

Der Name der Nationalwährung geht auf die Zeit des Fellhandels zurück, als das Marderfell als Zahlungsmittel diente, und den Namen der Lipa-Münzen haben wir dem Umstand zu verdanken, dass die Märkte gewöhnlich von Lindenbäumen umgeben waren. Diese Verbindung von Geld und Natur finden wir auch in anderen Formen. So ziert die bekannteste Blume des Velebit-Gebirges, die endemische gelbe Velebit-Degenie, ein Kreuzblütengewächs, die 50-Lipa-Münze.

Die Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere die Blumen, ist fest mit Kroatien verbunden. Die Nationalblume ist die Kroatische Schwertlilie (Iris croatica); diese violette Blume findet man in allen Teilen Kroatiens. Allerdings ist das Pflücken dieser Blume verboten, denn sie steht unter Naturschutz, wie der Großteil der 15 in Kroatien wachsenden Schwertlilienarten. Deswegen sollte man die natürliche Schönheit der Iris am besten mit einem herrlichen Instagram-Foto verewigen. Auf Kroatisch heißt die Iris „Perunika“, was auf Perun, den slawischen Gott des Gewitters, des Donners und der Blitze, zurückgeht. Der Legende nach wächst die Schwertlilie nur an Stellen, wo der Blitz eingeschlagen hat.

Die Natur Kroatiens wird am besten durch die mächtigen Stämme der slawonischen Eiche repräsentiert, die neben der amerikanischen und französischen Eiche von Weinbauern am meisten geschätzt wird. Eichenholz wird bei der Herstellung von Fässern verwendet, in denen die besten Weine reifen. Um die großartigen Eichenbäume in natürlicher Umgebung zu erleben, besuchen Sie den 40.000 Hektar großen Wald nahe des Ortes Županja. Noch beeindruckender wirkt das zwischen Nova Gradiška und Okučani liegende Waldvegetationsreservat Prašnik, wo sich einer der ältesten Eichenwälder Europas befindet.

Die Naturparks Lonjsko Polje und Kopački Rit in der Region Baranja sind zwei große südosteuropäische Sumpfgebiete voller verschiedenartiger und wechselnder Biotope, die sich zusammen mit den Jahreszeiten verändern. Kopački Rit, ein Kandidat für die Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes, hat sich mit Hirschen, mehr als 300 Vogelarten und uralten Sümpfen, Wäldern und Feldern einen Namen gemacht. Der Seeadler und der Schwarzstorch gehören zu den Vögeln, die besondere Beachtung verdienen.

Das in der Umgebung von Sisak, nur 50 Kilometer von Zagreb entfernt liegende Lonjsko Polje bietet einen Lebensraum für 238 Vogelarten, 10 Kriechtierarten, 16 Amphibienarten, 41 Fischarten und 550 Pflanzenarten. Es kann auch stolz 38 Libellenarten vorweisen. Das als „Europäisches Storchendorf“ ausgewiesene  Čigoč ist ebenfalls einen Besuch wert, doch wenn Sie die bekannteste Liebesgeschichte der Vogelwelt, nämlich die von der verletzten Störchin Malena und ihrem Storchen-Partner Klepetan, der nach dem Überwintern in Afrika immer wieder zu seiner Storchendame zurückkehrt, miterleben wollen, dann müssen Sie Slavonski Brod besuchen.

Die Gebirgszüge und Wälder des kontinentalen Kroatiens bilden ein hervorragendes Beispiel für die großartigen Weiten, in denen sich Bären und Wildschweine frei bewegen, wie etwa Velebit und Gorski Kotar. Doch die einzigartigste Fauna finden wir unter der Erde, in dem verzweigten Höhlensystem. Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie wohl aussehen würden, wenn Sie in einer Tiefe von über einem Kilometer unter der Erdoberfläche lebten? Bei einer unlängst durchgeführten Erforschung der Höhlen im Gebiet des Velebit-Gebirges wurde eine neue Art des ungewöhnlichen unterirdischen Blutegels, Croatobranchus mestrovi, entdeckt, die 1.320 Meter unter der Erdoberfläche lebt.

Die Höhlen in der Umgebung von Ogulin bergen ebenfalls einzigartige Geheimnisse, darunter auch den Oguliner Höhlenschwamm (Eunapius subterraneus), entdeckt im Jahr 1984. Dieser einzige bekannte Stygobiont, ein Schwamm, der nur in unterirdischen Gewässern vorkommt, ist ebenfalls eine gefährdete Tierart der Karstgebiete.

 

Auch in den Flüssen Kroatiens leben interessante Tierarten, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Die Meeresfische der Adria mögen in der Gastronomie wohl bekannter und beliebter sein, doch in den kroatischen Flüssen finden sich auch viele autochthone Fisch- und andere Tierarten. Zu den Arten, denen man nur schwer begegnet, gehört auch der Grottenolm, der blind zwischen den Felsen und in den Flüssen der kroatischen Unterwasserwelt schwimmt.

Doch die besten Vertreter natürlicher Lebensräume sind die auf der Erdoberfläche lebenden Wildtiere. Der Bär, Wolf und Luchs sind in den Ländern Westeuropas so gut wie ausgestorben, doch diese drei Fleischfresser sind noch sehr wohl in verschiedenen Wildgebieten, in denen sich durch die Jahrhunderte hindurch nicht viel verändert hat, zu Hause.

Nachdem er in der Region zur ausgestorbenen Spezies erklärt wurde, kehrte der Luchs im Jahr 1973 im Rahmen eines Neubesiedlungsprojektes wieder nach Slowenien zurück. Seitdem ist die Population der Luchse wieder angestiegen, denn die Gebirgszüge Gorski Kotar und Velebit sind günstige Umgebungen für eine positive Bestandsentwicklung. Heute leben etwa 60 Luchse in Kroatien, davon einige Paare im Nationalpark der Plitvicer Seen. Man geht davon aus, dass der Nationalpark Risnjak (kroat. Ris = Luchs) seinen Namen eben nach diesem Tier bekommen hat.

 

Statistische Angaben zur Jagd aus dem Jahr 1894 zeigen auf, dass Wölfe einst auf dem ganzen Gebiet Kroatiens lebten; jede Gespanschaft verzeichnete einen Rekordabschuss bei Wölfen. Heute streichen Wölfe frei in der Wildnis herum, aber in geringerer Zahl. Ihr Lebensraum beschränkt sich hauptsächlich auf Gorski Kotar, Lika und Teile Dalmatiens. In Kroatien wurde der Wolf unter Naturschutz gestellt.

Die Bärenpopulation zählt heute etwa 1000 Exemplare. Kroatien ist als Land bekannt, das sich durch einen hohen Grad des Zusammenlebens von Mensch und Bär auszeichnet. Die Bären bewegen sich frei durch die National- und Naturparks. Wenn Sie ganz nahe an einen Bären herankommen wollen, empfehlen wir Ihnen einen Besuch des Refugiums für Jungbären in Kuterevo, dem einzigen dieser Art in der Region.

Von den höchsten Gipfeln bis zu den tiefsten Tälern – die Vielfalt des kontinentalen Kroatiens bietet auf jedem Schritt neue Erfahrungen.