Photo by Dorotić & Bosnić / Museum of Apoxymenos

Jahre sind nicht wichtig: Fünf (vor)geschichtliche Artefakte, die Sie gesehen haben müssen

Einige der kulturellen Sehenswürdigkeiten Kroatiens sind sehr alt – das bedeutet aber noch lange nicht, dass man sie bei einem Besuch außen vor lassen sollte! Hier präsentieren wir Ihnen fünf (prä-)historische Sehenswürdigkeiten, die Sie auf keinen Fall verpassen dürfen!

Der Apoxyomenos auf der Insel Lošinj
Der Apoxyomenos ist eine antike griechische Bronzestatue aus dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. Es handelt sich um eine hellenistische Kopie aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Die 192 cm große Statue stellt einen Athleten dar, der nach dem Wettkampf mithilfe eines speziellen Schabwerkzeugs seinen Körper reinigt (das griechische Wort „Apoxyomenos“ bedeutet „der Schaber“). Man geht davon aus, dass diese künstlerische Darstellungsform im antiken Griechenland nicht unüblich war. Dennoch sind nur acht vergleichbare Statuen weltweit erhalten – und keine ist besser erhalten als jene auf Lošinj. Entdeckt wurde Apoxyomenos von einem Touristen, und zwar auf dem dem Meeresgrund in der Nähe der  Insel Lošinj, nicht weit von Lošinj entfernt. Nach ihrer Bergung im Jahr 1999 wurde die Statue sieben Jahre lang restauriert. Heute hat der Kroatische Apoxyomenos auf Lošinj sein eigenes Museum. Sie möchten wissen, wie die Statue überhaupt auf den Grund des Meeres gelangt ist? Vermutlich hat eine besorgte Schiffscrew sie während eines Unwetters über Bord geworfen, um nicht zu kentern.

Der Totentanz von Beram
Die Wallfahrtskirche Maria im Fels liegt, versteckt im Wald, wenige Kilometer von der Stadt Beram entfernt. Die Kapelle ist klein und abgeschieden – und genau das ist für Kulturliebhaber aus aller Welt ein echter Glücksfall. Denn nicht zuletzt dieser Abgeschiedenheit ist es zu verdanken, dass die wertvollen spätgotischen Fresken an den Innenwänden der kleinen Kirche so gut erhalten geblieben sind. Der Großteil der Gemälde, die von Vincent aus Kastav stammen, zeigt Szenen des Lebens der Jungfrau Maria und Jesus. Das größte und eindrucksvollste Bild ist jedoch eine Version des „Totentanzes“ – eine mittelalerliche Allegorie auf die Allgegenwart des Todes. Das Meisterwerk zeigt Kaufleute, Ritter, Adlige und sogar den Papst beim Tanz mit dem Tod. Die makabre Prozession wird von einem Skelett angeführt, das auf einem Dudelsack spielt. Der Sinn der Totentanz-Gemälde war es, die Menschen an die Vergänglichkeit des Lebens zu erinnern. Das Fresko in der Kirche Maria im Fels stammt aus den 1470ern – es ist damit eines der ältesten erhaltenen Exemplare eines Totentanzes!

Die Taube von Vučedol & der älteste Kalender Europas im Stadtmuseum von Vukovar
Die Ausgrabungsstätte Vučedol liegt am Ufer der Donau, etwa 5 km flussabwärts der Stadt Vukovar. Vučedol ist eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten der Kupfersteinzeit. Die dort ausgegrabene Siedlung erlebte ihre Hochphase vermutlich zwischen 3000 und 2400 v. Chr., also zeitgleich mit der sumerischen Periode in Mesopotamien, dem Alten Königreich in Ägypten und den ersten Siedlungen in Troja. Die materielle Kultur, insbesondere die Keramikproduktion, lässt aufgrund der außergewöhnlihcen technischen Qualität und der perfekten Harmonie von Form und Verzierung auf eine hochentwickelte Zivilisation schließen. Die vielleicht berühmteste Hinterlassenschaft der Vučedol-Kultur ist die sogenannte „Taube von Vučedol“, ein 20 cm großes, reich verziertes Kultusgefäß in Form eines Vogels. Ein weiteres berühmtes Artefakt ist ein mit speziellen Mustern versehener Keramikkrug, den Experten für den ältesten Kalender Europas halten. Sowohl die Taube von Vučedol als auch der Kalender sind im Stadtmuseum von Vukovar ausgestellt – zusammen mit zahlreichen weiteren Fundstücken und vielen interessanten Informationen rund um die Vučedol-Kultur.

Zagreber Mumienbinde im Archäologischen Museum Zagreb
Wer eine echte Mumie sehen möchte, muss nicht bis nach Ägypten fahren – eine Reise nach Zagreb ist vollkommen ausreichend. Mit der Zagreber Mumienbinde gibt es im Archäologischen Museum der Stadt eine echte Weltsensation zu bestaunen. Die eigentliche Mumie wurde – zusammen mit ihrer Umhüllung – in den 1860er Jahren von Ägypten nach Zagreb gebracht. Nach genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Stoffbahnen, in die die Mumie ursprünglich eingehüllt war, rätselhafte Schriftzeichen trugen – offenbar handelte es sich um einen Text in einer unbekannten Sprache. Die Wissenschaftler Heinrich Brugsch und Richard Burton (leider nicht der, der später im Filmklassiker „Cleopatra“ den Marcus Antonius spielte) fanden schließlich heraus, dass es sich bei den Schriftzeichen keineswegs um Hieroglyphen handelte, wie sie es ursprünglich angenommen hatten, sondern um einen Text in Etruskisch. Die Stoffstreifen, auf denen die Wörter geschrieben waren (und die später verwendet wurden, um die Mumie zu umwickeln) sind heute als “Liber linteus Zagrebiensis” (Leinenbuch von Zagreb) bekannt. Das „Buch“ umfasst 1.130 Wörter auf insgesamt fünf Streifen. Dabei handelt es sich um den längsten bekannten Text in etruskischer Sprache und das einzige erhaltene Leinenbuch aus der Antike. Was allerdings auf den Binden geschrieben steht und weshalb eine ägyptische Mumie mit Stoffstreifen umwickelt war, auf denen ein Text in einer Sprache geschrieben steht, die die Menschen im Italien der Antike gesprochen haben – das bleibt ein Rätsel…

Frühzeitlicher Fundort und Neandertalermuseum in Krapina
Mit seinen gerade mal 5.000 Einwohnern ist Krapina ein eher ruhiges Fleckchen. Andererseits ist das kleine Städtchen im Norden Kroatiens auch einer der weltweit wichtigsten Neandertaler-Fundorte. 1899 wurden am Hušnjakovo-Hügel in Krapina die sterblichen Überreste einiger Dutzend frühzeitlicher Menschen entdeckt. Die anschließenden Ausgrabungen förderten die größte und reichhaltigste Sammlung von Neandertaler-Fossilien an einem einzigem Ort zutage. Heute steht unweit des Fundorts in Krapina das hochmoderne Neandertalermuseum. Mit seiner zum Teil höhlenartigen Struktur, den vielen multimedialen Inhalten und den zahlreichen Pfaden, die das Museum direkt mit der tatächlichen Ausgrabungsstelle verbinden, lässt es seine Besucher direkt in prähistorische Zeiten eintauchen.